Willi Hoffmann

Willi Hoffmann

Willi Hoffmann

von Jennifer Wendland

Der 33-jährige Informatiker Willi Hoffmann lebt in Bad Harzburg und trainiert in Braunschweig.

Hast du eine Trainingsgruppe?

Willi: Ja, wir sind eine recht kleine Gruppe und treffen uns einfach privat im Schwimmbad ohne einen richtigen Verein zu haben. Falls keiner Zeit hat, dann passt mein bester Freund beim Training auf mich auf.

Was machst du, wenn du nicht tauchen gehst?

Von Beruf bin ich Informatiker. Außer zu tauchen gehe ich auch öfters laufen. Neben dem Sport lese ich recht viel und versuche vergeblich, mich nicht vom technischen Fortschritt abhängen zu lassen.

Wann und wo warst du das erste Mal Freitauchen?

Schwimmen war der erste Sport den ich ausgeübt hatte und war auch mal beim DLRG. Dort hatten wir ab und zu Streckentauchen trainiert. Es hatte mir viel Spaß gemacht, mich unter Wasser zu bewegen, weswegen ich es öfters als andere geübt hatte. Mit 12 konnte ich 25 m und mit 15 schon ca. 62 m ohne Flossen tauchen. Das reichte, um Sportlehrer ins Staunen zu versetzen und ich bekam auch mal alleine deswegen schon eine Eins im Schwimmen.

Im Sommer 2011 hatte ich erfahren, dass dies auch von vielen anderen als Sport ausgeübt wird und habe daraufhin in Braunschweig, wo ich damals studierte, eine Gruppe gefunden. Die hatte sich dann nach einem halben Jahr leider aufgelöst. Ich hatte aber das Glück immer wieder Leute übers Internet finden zu können, mit denen ich in Übung bleiben konnte.

Warum bist du dabeigeblieben?

Der Sport hat mir einfach schon immer Spaß gemacht. Das Gefühl der Schwerelosigkeit und das Bewegen unter Wasser ist einfach sehr schön. Und je besser man trainiert ist, desto schöner und länger wird dieses Erlebnis!

Bislang kenne ich dich nur von Pool-Wettkämpfen, welches ist deine Lieblingsdisziplin Indoor? Und Outdoor?

Indoor ist es im Moment Streckentauchen mit Flosse. Früher war ich radikaler DNF-Anhänger, der auch auf Wettkämpfen immer nur ohne Flosse tauchen wollte. Nachdem ich mir auf der WM in Belgrad eine vernünftige Flosse gekauft hab, bin ich den Kompromiss eingegangen mit Flosse zu tauchen, falls der Wettkampf in einem 50 m-Becken stattfindet und bei 25 m ohne Flosse. Im See mag ich gerne Free Immersion.

Hast du ein sportliches Vorbild?

Ich habe nebenbei auch immer Kampfsport gemacht. Mein sportliches Vorbild ist Michael Colditz, der seit jeher Trainer in meinem Ju-Jutsu-Verein war. Er hatte uns immer vorgelebt, dass man, um gut zu sein, auch ständig trainieren muss.

 Wo warst du bisher überall freitauchen? Welches ist dein Lieblingsort?

Außer in den deutschen Seen bin ich auch mal bei einem Wettkampf in Zürich und einmal im Freitauchurlaub in Thailand gewesen. Zu Pool-Wettkämpfen bin ich auch mal nach Polen, Tschechien, Österreich und natürlich Finnland gefahren.

Was sind deine größten sportlichen Erfolge?

Dritter Platz bei den Freediving Finnish Open 2016 mit 213 m DYN und drei Monate später das A-Finale in Statik bei der WM in Turku.

Wie sieht dein typisches Training aus?

Ich trainiere dreimal in der Woche mit mindestens einem Tag Pause zwischen den Apnoe-Trainingstagen. Wobei ich an 2 Tagen aber auch laufen gehe. Mein Training besteht meistens aus einer O2-Tabelle in Statik. In Dynamik tauche ich sechs mal die gleiche Strecke, die mich fordert, aber auch nicht zu weit ist (meistens 50-75% meines momentanen Maximums).
Ab und zu tauche ich auch 16×50 m DYN in Sätzen von je 4 Bahnen, die ich mit einem Atemzug Pause am Ende einer Bahn absolviere. Nach der WM 2016 hab ich monatelang den Delphinbeinschlag ohne Flosse trainiert.

An lockeren Trainingstagen z.B. direkt nach einem Wettkampf mache ich gerne O2-Tabelle passiv ausgeatmet. Ich entspanne mich und atme nur so viel aus, dass weder Luft von selbst entweicht noch Wasser in die Atemwege eindringt. Das ist für mich die entspannteste Art Luft anzuhalten, wobei man hier ja nicht mehr von „anhalten“ sprechen kann.